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Bosnien und Herzegowina, Svitac

Hallo, ich heiße Hannah Külper, bin 18 Jahre alt und ich absolvierte vom 05. Oktober 2019 bis zum 04. April 2020 meinen Freiwilligendienst in Brčko, Bosnien Herzegowina. Dort habe ich bei der Organisation `Svitac` gearbeitet. Svitac bedeutet Glühwürmchen auf Bosnisch/Serbisch/Kroatisch und soll den Menschen Licht und Hoffnung bringen.

Brčko ist eine kleine Stadt im Norden des Landes, direkt an der Grenze zu Kroatien. Sie hat jedoch eine ganz besondere Bedeutung. Dazu müssen wir ein wenig in der Geschichte zurückgehen. Am Ende des Bosnischen Krieges wurde Bosnien nach Ethnien in Regionen aufgeteilt (Republika Srpska und Federation of Bosnia and Herzegovina). Man konnte sich bei Brčko jedoch nicht entscheiden, zu welchem Teil der Distrikt gehören sollte und somit erhielt er von der UN einen Sonderstatus. Aus diesem Grund ist Brčko so divers wie kein anderer Teil Bosniens: Hier leben Bosnier, Serben und Kroaten zusammen. Trotzdem sind noch gewisse Spannungen und Teilungen vorhanden. Svitac möchte allen Menschen, egal welcher Ethnie sie angehören, die Möglichkeit geben, zusammen zu kommen und gemeinsame Workshops zu besuchen. Damit beginnen sie schon bei den Jüngsten.

Somit kommen wir auch schon zu meinen Aufgaben während meines Freiwilligendienstes. Jeden Tag von 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr kamen Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren zu uns. Wir haben mit ihnen gebastelt, gespielt und gelernt. Wichtige Themen waren Gleichberechtigung, Frieden, Menschenrechte und Toleranz. Wir haben versucht, den Kleinen diese Themen beispielsweise durch Puppentheaterstücke so verständlich wie möglich zu machen. Nachmittags haben wir für ältere Kinder Workshops zu unterschiedlichen Themen angeboten. Leider hatten wir kaum Teilnehmer und mussten uns dann andere Sachen überlegen. So haben wir zum Beispiel alle zwei Wochen Diskussionsrunden mit Jugendlichen zu Themen wie Mobbing in der Schule, aber auch den Einfluss von Musikern durchgeführt. Jeden Montag und Freitag haben wir deutschen Freiwilligen Dina –unsere Koordinatorin- bei ihren Deutschstunden geholfen. Auch mit zwei Schulen in Brčko haben wir kooperiert, so bekamen wir bei einem wichtigen mündlichen Deutschtest (DSD-Test) die Aufsicht übertragen. Außerdem habe ich einen Workshop im Rahmen des Deutsch-Bosnischen Austauschs zum Thema Umweltprobleme angeboten. Ansonsten gab es natürlich auch Partys zu Halloween und New Years, an denen Kinder aller Altersgruppen teilnehmen konnten.

Die offizielle Sprache in unserer Organisation war Englisch, aber mit den Kindern mussten wir natürlich Bosnisch/Kroatisch/Serbisch sprechen. Ihr fragt euch sicher, warum ich immer alle drei Sprachen anführe. Bosnisch, Kroatisch und Serbisch sind sich sehr ähnlich und wenn ihr eine Sprache sprecht, könnt ihr damit auch in den anderen Ländern kommunizieren. In Brčko leben alle drei Ethnien, deshalb haben wir in Svitac versucht, immer alle Sprachen zu nennen, damit sich niemand benachteiligt fühlt. Wir hatten einmal pro Woche Sprachunterricht und auch während der Arbeit hat man unglaublich viel gelernt. Da ich keine Vorkenntnisse hatte, war es in den ersten Monaten sehr frustrierend, weil ich wenig verstanden habe, aber mit der Zeit habe ich mich immer mehr verbessert.

Gelebt habe ich mit zwei anderen deutschen Freiwilligen zusammen in einem kleinen Haus. Jeder von uns hatte ein eigenes Zimmer; Küche und Bad haben wir uns geteilt. Vom Jugendzentrum- unserer Arbeitsstelle- liegt das Haus nur etwa fünf Gehminuten entfernt. In die Stadt zu laufen dauert auch etwa nur zehn Minuten.

Das Zentrum von Brčko ist sehr klein. In etwa fünf Minuten hat man den Stadtkern durchquert. Die Stadt ist von vielen kleinen Cafés geprägt, in denen man sich traditionell mal auf einen Kaffee trifft. Diesen Teil der Kultur werde ich auf jeden Fall vermissen. Ansonsten kann man schön an der Sava –dem Fluss- entlangspazieren und abends in eine Bar gehen. Die Bars sind zwar sehr klein, aber in manchen kann man sich am Wochenende Lifemusik anhören oder Dart spielen. Jeden Donnerstag wird auch von Svitac Samba angeboten. Das ist eine Art improvisierte Musikstunde mit Trommeln, an der jeder teilnehmen kann und es macht sehr viel Spaß. Wer jedoch eine große Auswahl an Freizeitmöglichkeiten haben möchte, wird in Brčko vieles vermissen. So gibt es beispielsweise kein Kino und Brčko liegt gefühlt als einziger Teil Bosniens ziemlich im Flachland. Ab und zu kann man aber kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte besuchen. Es ist eben eine Kleinstadt. Dafür hat man die Möglichkeit am Wochenende direkt mit dem Bus nach Novi Sad, Belgrad, Sarajevo oder Zagreb fahren, wenn einen lange Busfahrten nicht abschrecken.

Durch das on-arrival- und midterm-training kommt man auch ein wenig herum und lernt viele neue Leute kennen.

Auch wenn ich nicht für immer in Brčko leben möchte, war es definitiv eine schöne Erfahrung, dort für ein knappes halbes Jahr zu leben. Ich habe unglaublich viel gelernt und einen ganz neuen Einblick in die Kultur, die Menschen und generell die ganze Balkanregion erhalten. Davor war ich nicht so sehr daran interessiert, nach Osteuropa zu reisen. Dadurch, dass ich einen ganz persönlichen Bezug zum Balkan erhalten habe, hat es für mich nun einen Reiz bekommen, die ganzen Städte und die wunderschöne Natur zu erkunden.

Meiner Meinung nach sind sechs Monate aber ein wenig kurz. Bei meiner Abreise habe ich gerade erst richtig angefangen, die Sprache zu lernen. Die Workshops und Projekte sind erst richtig angelaufen und ich hatte das Gefühl, wirklich angekommen zu sein. Trotzdem würde ich den Freiwilligendienst jeder Zeit wieder machen und habe fest vor, sobald es wieder möglich ist, nochmal dorthin zu reisen.

Falls ihr interessiert seid und mehr erfahren wollt, könnt ihr gerne die Internetseite fireflybosnia.org besuchen. Dort findet ihr alle Projekte, mehr Infos über Svitac und einen monatlichen Blog von mir und meinen Mitbewohnerinnen.

Eure Hannah

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